Ferropolis, die Stadt aus Eisen

Die neuen Termine für Ferropolis sind da!

 

Stimmung pur, bei jeder Veranstaltung!Seit Wochen gab es Streit um Ferropolis. Viele, auch ich, konnten nicht verstehen, warum es einigen, der Veranstalter sprach von 7.000 Teilnehmern, gestattet sein soll von 14.00 Uhr am Samstag bis 10.00 Uhr Sonntag die Bewohner der angrenzenden Städte und Gemeinden zu terrorisieren. Ein hartes Wort. Aber es muss einmal gesagt werden. Wenn 22 Stunden lang die Bässe durch den Kopf hämmern, obwohl man mehr als einen Kilometer vom Geschehen entfernt ist, wenn nichts hilft, weil der Schall über Stirn und Schädel hineindonnert, dann kann man dazu nur Terror sagen. Von der sicherlich guten Musik dieser Veranstaltung war ja außer den Bässen nichts zu hören. 

Nun genug davon. Das es auch ohne nennenswerte Störungen geht, haben die darauf folgenden Veranstaltungen bewiesen.
 Weitere erfolgreiche Veranstaltungen dieser Art werden hoffendlich bald folgen, um den guten Ruf von Ferropolis in der Bevölkerung der umliegenden Städte und Gemeinden wieder her zu stellen. Manch einer ist ja durch den Streit um die Lautstärken bei Veranstaltungen erst auf Ferropolis aufmerksam geworden. Man sollte mal hingehen und sich selbst ein Bild machen! Hochwertige Veranstaltungen, auch für die so genannten "reiferen Jahrgänge" gibt es ja ab und an. Wahrscheinlich traut der Betreiber der Musik von Wolfgang Petri nicht über den Weg, oder ist für die "Oldies" unter der Bevölkerung kein Platz in Ferropolis? Die Veranstaltung mit Mikes Theodorakis am 19. Juli 2000 bewies doch klar das Gegenteil! 

 

Hier gibt es das Originalbild. Bildautor Thomas Klitzsch.

 

 

 

 

Diese Aufnahme wurde mir dankenswerter Weise von Th. Klitzsch (Berufsfotograf bei der MZ - Mitteldeutsche Zeitung) zur Verfügung gestellt. Seine Fotos wurden schon mehrfach mit ersten Preisen ausgezeichnet. Schauen Sie unbedingt auf das Originalfoto (65,5 KB).

 

Was ist eigentlich Ferropolis? 
Im ehemaligen Tagebau Golpa-Nord, dort wo noch in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts das Dorf Gremmin zwischen Feldern und kleinen Buschinseln eingebettet lag, hatten riesige Bagger Rohbraunkohle, für die Energiegewinnung hauptsächlich im Kraftwerk Vockerode, und die darüber liegenden Deckschichten (den Abraum) entnommen und ein tiefes, mit Kratern übersätes Loch entstehen lassen. 
Seit der Stilllegung im Jahr 1991, entsteht nun ein riesiger See. 
An seinem Ufer, an der Stelle, die die Grubenbahn benutzte, um in den Tagebau bzw. aus ihm heraus zu fahren, dort wo die sogenannten Tagesanlagen des Braunkohletagebaus zu sehen waren, genau dort wurden die letzten Riesen einer vergangenen Epoche, die riesigen Tagebaugroßgeräte aufgestellt. Um sie herum entstand eine Stätte der Erinnerung an die Zeit des Braunkohlebergbaus in unserer Gegend und eine lebendige Kulturstätte, auf deren Bühnen Theater, Konzerte und mehrtägige Camps stattfinden. Längst ist Ferropolis, die Stadt aus Eisen, zu einer bekannten Adresse für fast alle Altersgruppen geworden. 

 

Ferropolis

(aus dem Prospekt der Ferropolis GmbH 2001)

Wie alles begann:

Etwa zeitgleich mit der Wende wurde der gesamte Braunkohletagebau im Raum Gräfenhainichen und Bitterfeld in Sachsen-Anhalt eingestellt, wurden die dazugehörenden Kraftwerke stillgelegt und weite Teile der dort ansässigen Industrien geschlossen.

Mit Beginn der 90er Jahre hatte die rund 150jährige Bergbau- und Industriegeschichte Mitteldeutschlands damit einen Wendepunkt erreicht. Unumkehrbar haben sich die Wirtschaft und Gesellschaft einer ehemals bedeutenden Industrieregion von der Grundlage verabschiedet, auf der sie einst gewachsen war. Braunkohleförderung, -verarbeitung sowie, damit verbunden, Energieerzeugung.

Als der vergleichsweise kleine Tagebau Golpa-Nord bei Gräfenhainichen 1991 planmäßig in die Sanierung ging, sah das Restloch einer "üblichen" Zukunft entgegen.
Flutung und Gestaltung als Landschaftssee einschließlich Verschrottung der Tagebaugroßgeräte.

Seit der ersten Aufschlussarbeiten 1958 bis zum Jahr 1990 wurden in Golpa-Nord rund 70 Mio. t Rohbraunkohle gefördert und 340 Mio. m3 Abraum bewegt. Mit Beginn der Fremdflutung im Januar 2000 entsteht bis 2003 ein 540 ha großer See. Bereits Ende 2001 werden 75% des Endwasserstandes erreicht sein.

 

 

 

 


Chronologie des Projektes Ferropolis:

"Die Idee von Ferropolis, der Stadt aus Eisen, speist sich aus dem ästhetischen Faszinosum der Tagebaugroßgeräte an der stillgelegten Grube. Der Zusammenhang zwischen der Technikfaszination der Industriemoderne und der Zerstörung der Landschaft als Sackgasse wird bildhaft vermittelt.
Die Idee war 1991 am Bauhaus Dessau entstanden. Sie ging auf im Werkstattprojekt "Industrielles Gartenreich", das die Kultivierung der Landschaft als Ausdruck einer Idee, wie im Dessau-Wörlitzer Gartenreich des 18. Jahrhunderts praktiziert, in die nachindustrielle Landschaft übertrug. Statt die Bagger zu verschrotten, was der normale Gang der Dinge bei der Sanierung eines stillgelegten Tagebaus gewesen wäre, sollten sie erhalten und auch genutzt werden. Sie sollten zugleich einen Ort in der Tagebauwüste markieren, eine Landmarke und eine Metapher für beginnenden Wandel in Richtung eines schonenderen Umgangs mit Natur und Landschaft bilden. Die Formation der Bagger am Ende einer in das Restloch ragenden Halbinsel sollte als Zeichen bewussten kulturellen Handelns zur "Stadt" werden."
(Vera Hertlein in et-magazin der Regionen, Ausgabe 02/2000)

Symbolisch wurde im Dezember 1995 die Stadt Ferropolis gegründet.
Seitdem wird an der Realisierung des Projektes Ferropolis gearbeitet. Wurden dafür anfangs die von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) bereit gestellten Sanierungsmittel genutzt, werden seit 1998 mit EU-Fördermitteln die infrastrukturellen Voraussetzungen für das Projekt Ferropolis geschaffen.

Die Ferropolis GmbH als Trägerin des Projektes wurde am 17.09.1997 gegründet. In dieser Gesellschaft sind neben dem 44%igen Anteil des Landkreises mit 25% die Stadt Gräfenhainichen, mit 15% der Ferropolis Bergbau- und Erlebnisbahnverein, mit 10% die Expo 2000 Sachsen-Anhalt, welche sich mittlerweile in Liquidation befindet, mit 5% die Stiftung Bauhaus Dessau und mit 1% Martin Brück vertreten.

das Projekt war im Jahr 2000 eines der Leitprojekte der Korrespondenzregion Dessau-Bitterfeld / Wolfen-Wittenberg zur Expo 2000 in Hannover.

Veranstaltungen:

 

Investitionen:

 

Die Region um Ferropolis:

 

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D. Anders, 14.01.2003